10. September 2026, 16:15–17:45 Uhr
Die Umsetzung der UN-BRK stellt Kommunen weltweit vor die Herausforderung, inklusive Strukturen, Prozesse und Unterstützungsangebote nachhaltig auszubauen. Auch in der Gesundheitsversorgung gewinnen Beteiligung, Barrierefreiheit und menschenrechtsbasierte Planung zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig bestehen jedoch deutliche Schnittstellen- und Wissenslücken zwischen Gesundheitsforschung und Disability Studies. Diese Forschungswerkstatt möchte besagte Lücke als Lern- und Austauschraum adressieren.
Ausgehend von Beispielen aus der „Transformationsregion digitale Gesundheit“ (TPG) und dem „Kompetenzkolleg für Partizipationsforschung und Transformation in der Gesundheitsversorgung“ (KPTG) werden Erfahrungen aus partizipativen Gesundheitsforschungsprojekten vorgestellt: darunter ethnografische und qualitative Mixed-Methods-Designs, Co-Forschenden-Ansätze, Beteiligungsformate mit älteren Menschen und pflegebedürftigen Personen sowie digitale Teilhabeinitiativen im Strukturwandel. Obwohl die vorgestellten Projekte sich nicht primär der Behindertenrechtsforschung zuordnen, ermöglichen sie wichtige Einblicke in die Gestaltung lokaler, beteiligungsorientierter Transformationsprozesse.
Im Zentrum dieser Werkstatt steht folgender wechselseitiger Austausch:
(1) Wie lassen sich methodische und strukturelle Ansätze aus partizipativen Projekten der Gesundheitsversorgung auf kommunale Prozesse zur Förderung gleichberechtigter Teilhabe im Sinne der UN-BRK übertragen und welche Hürden und Gelingensbedingungen zeigen sich dabei?
(2) Welche Perspektiven und Konzepte aus Disability Studies und Teilhabeforschung können bestehende Ansätze der partizipativen Gesundheitsforschung kritisch erweitern oder schärfen und wo bestehen Spannungen?
(3) Wie können Förderlogiken, wie z. B. die im TPG-Kontext entwickelte Partizipations-Checkliste, Beteiligung systematischer verankern?
Die Teilnehmenden sind eingeladen, Erfahrungen zu teilen, methodische Übertragungsmöglichkeiten zu reflektieren und gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren, insbesondere an den Schnittstellen von Alter(n), Pflege, Digitalisierung und Inklusion. Ziel der Werkstatt ist es, Impulse für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zu entwickeln und neue Verbindungen zwischen partizipativer Gesundheitsforschung und kommunaler Teilhabeforschung zu knüpfen.
Ergebnissicherung: Gemeinsame Sammlung von Transfermöglichkeiten in einer „Methoden- und Perspektiven-Brücke“, Dokumentation zentraler Erkenntnisse für den Wissenspool von TPG/KPTG.
Fragestellung
Unsere Forschung befasst sich mit Fragen zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der IT-Branche mit dem Ziel, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu erreichen. Fokus wird dabei auf eine sozio-technische Betrachtungsweise (Müller, 2019; Rohde & Wulf, 2011) gelegt, also Fragen, wie Technik dabei in der Praxis unterstützen kann, wie diese eingebettet wird und wie Techniken oder Technologien die Praxis verändern.
Mangelndes Wissen in Unternehmen über Behinderung und Anpassungsfragen führen zu Bedenken hinsichtlich der Kosten bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung (Kaye et al., 2011) oder des Einflusses auf die Belegschaft (Bonaccio et al., 2020) und wirken damit einem inklusiven Verhalten von Unternehmen entgegen.
Während auf Ebene der Menschen individuelle Faktoren wie Bewusstsein, Kultur, Kommunikation, Einstellung und Emotionen (Desai et al., 2025) und die daraus entstehenden Praktiken Einfluss auf den Umgang mit dem Thema Inklusion haben, lassen sich entsprechende Faktoren auf Unternehmensebene mit dem Stichwort Unternehmenskultur zusammen fassen. Im Endeffekt müssen die soziale und strukturelle Seite, wozu auch fördernde Technik und Technologie zählt, in Unternehmen adressiert werden, um Inklusion zu fördern (Palumbo et al., 2023).
Zentrale Fragestellung dieser Forschungswerkstatt lautet: Welche Faktoren und Praktiken in der Unternehmenskultur haben einen Einfluss auf das Inklusionsverhalten von Unternehmen und welchen Einfluss hat Technologie auf diese Faktoren und Praktiken?
Inhaltliche und methodische Gestaltung
Im Rahmen dieser Forschungswerkstatt werden wir uns in einer gemeinsamen Brainstorming-Session der Frage nach (1) „Faktoren und Praktiken der Unternehmenskultur, die Einfluss auf das Inklusionsverhalten von Unternehmen haben“ widmen. Daran anschließend werden wir durch ein World Café die beiden folgenden Fragen bearbeiten:
- (2) Welchen Einfluss hat Technologie auf die oben genannten Faktoren und Praktiken und vice versa?
- (3) Wie und wodurch können die oben genannten Faktoren und Praktiken beeinflusst (verändert) werden?
Jeweils am Ende des Brainstormings und den beiden World Café-Runden erfolgt eine kurze Ergebnisvorstellung und Diskussion.
Nach den drei Arbeitsphasen werden die Ergebnisse des Projekts WERTE.IT vorgestellt, welches Faktoren einer inklusiven Unternehmenskultur erforscht und gemeinsam mit dem Praxispartner Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. praktisch adressiert hat.
Als Abschluss werden die während der Forschungswerkstatt erarbeiteten sowie die im Forschungsprojekt vorliegenden Ergebnisse zusammengefasst und gemeinsam diskutiert. Zusätzlich wird über die Partizipation an der Erstellung des Ergebnispapiers informiert und diskutiert.
Ergebnissicherung
Die Ergebnisse der Tische werden mittels Fotografie und Feldnotizen durch die Organisierenden gesichert und im Nachgang zu einem Ergebnispapier zusammengefasst.
Mündliche Diskussionen werden mittels Audiorekorder aufgenommen. Im Vorfeld wird das Einverständnis der Teilnehmenden zur Aufzeichnung eingeholt.
REFERENCES
Bonaccio, S., Connelly, C. E., Gellatly, I. R., Jetha, A., & Martin Ginis, K. A. (2020). The Participation of People with Disabilities in the Workplace Across the Employment Cycle: Employer Concerns and Research Evidence. Journal of Business and Psychology, 35(2), 135–158. https://doi.org/10.1007/s10869-018-9602-5
Desai, A., Mankoff, J., & Ladner, R. E. (2025). Exploring Disability Culture Through Accounts of Disabled Innovators of Accessibility Technology. Proceedings of the 27th International ACM SIGACCESS Conference on Computers and Accessibility, ASSETS ’25, 1–14. https://doi.org/10.1145/3663547.3746330
Kaye, H. S., Jans, L. H., & Jones, E. C. (2011). Why Don’t Employers Hire and Retain Workers with Disabilities? Journal of Occupational Rehabilitation, 21(4), 526–536. https://doi.org/10.1007/s10926-011-9302-8
Müller, C. (2019). Introduction to the Thematic Focus ‘Socio-Informatics’. Media in Action - An Interdisciplinary Journal on Cooperative Media, 2018(1), 9–16. https://doi.org/10.25819/ubsi/9910
Palumbo, R., Hinna, A., & Manesh, M. F. (2023). Aiming at inclusive workplaces: A bibliometric and interpretive review at the crossroads of disability management and human resource management. Journal of Management & Organization, 1–24. https://doi.org/10.1017/jmo.2023.4
Rohde, M., & Wulf, V. (2011). Sozio-Informatik. Informatik-Spektrum, 34(2), 210–213. https://doi.org/10.1007/s00287-011-0518-y
Forschungsleitfragen
- Wie soll die berufliche Beratung, die berufliche Bildung und das Netzwerken ausgestaltet sein, um den Übergang aus geschützter Beschäftigung in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu unterstützen?
- Welche Wünsche haben Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen in den Werkstätten, Inklusionsexpertinnen und -experten und Betriebe?
- Welche Ableitungen können daraus für eine Include³-Methode und für die Erarbeitung eines Curriculums getroffen werden?
Gegenstand
Seit dem Inkrafttreten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen sind die Rechte von Menschen mit Behinderungen stärker in den Fokus der gesellschaftlichen und politischen Debatte gerückt.
Das Projekt Include³ reagiert auf die Forderung des Europäischen Parlaments nach mehr Forschung zu geschützten Werkstätten. Die Beschäftigung in geschützten Werkstätten findet in einem geschützten Arbeitsmarkt statt, der sich vom allgemeinen Arbeitsmarkt unterscheidet.
Obwohl geschützte Werkstätten Menschen mit Behinderungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereiten und ihren Übergang erleichtern sollen, ist die Zahl der Übergänge von geschützter Beschäftigung in den allgemeinen Arbeitsmarkt gering.
Das von der Europäischen Union kofinanzierte Projekt Include³ zielt darauf ab, Beispiele bewährter Verfahren für den Übergang von geschützter Beschäftigung in den offenen Arbeitsmarkt zu identifizieren, zu verbreiten und zu übernehmen. Projektpartner sind Institutionen in Belgien, Zypern, Deutschland, Slowenien und Litauen.
Inhalt und Ergebnisse
Als wesentlicher Bestandteil des Include³-Projekts wurde die Include³-Methode als Beratungskonzept in fünf aufeinander folgenden Arbeitspaketen entwickelt. Für ihre Umsetzung wurde ein spezielles Curriculum entwickelt, das in Belgien, Zypern und Slowenien erfolgreich evaluiert wurde.
Die Include³-Methode versteht sich als kooperative, partizipative und inklusive Beratungsmethode, die aus den Phasen Orientierung, Erprobung, Reflexion und Entscheidungsfindung besteht. Das Curriculum wurde speziell entwickelt, um Beraterinnen und Beratern sowie Fachkräften der beruflichen Bildung die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Anwendung der Include³-Beratungsmethode zu vermitteln.
In diesem Zusammenhang war die Entwicklung von Leitlinien für die Umsetzung eines inklusiven und partizipativen Prozesses der Berufsberatung ein Ziel des Projekts. Die Leitlinien basieren hauptsächlich auf Interviews mit Fokusgruppen, bestehend aus Inklusionsexpertinnen und -experten, Menschen mit Behinderungen und Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, die von den Projektpartnern in Belgien, Deutschland, Slowenien und Zypern durchgeführt wurden.
Ziel der Leitlinien war es, die Erkenntnisse aus den Fokusgruppen übersichtlich zusammenzufassen und eine Antwort auf die Frage zu geben, welche Anforderungen insbesondere an die berufliche Bildung und Beratung für den Übergang aus der geschützten Beschäftigung in den allgemeinen Arbeitsmarkt bestehen.
In Anbetracht der Ergebnisse ist festzuhalten, dass die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen und die Anforderungen des Arbeitsmarktes durch Beratung besser aufeinander abgestimmt werden müssen, um einen nachhaltigen Übergang zu ermöglichen.
Ausblick und Diskussion
Neben der Erreichung der Projektziele zeigten weitere Ergebnisse, dass der Arbeitsmarkt für Menschen mit geistiger Behinderung nach wie vor weitgehend unzugänglich ist und dringend ein stärkeres öffentliches Bewusstsein und eine stärkere Sensibilität erforderlich sind.
The proposed contribution examines the implementation and impact of a growing variety of employment measures that fall under the umbrella of 'sheltered employment' in Austria. Adopting a critical disability studies perspective, the paper analyses how structural conditions and political decisions affect the autonomy and participation of disabled people in practice.
Although Austria ratified the UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities in 2008, committing to inclusion, the lived reality remains exclusionary. Over 27,000 disabled people work in institutions for disabled people without employee status, vocational qualifications or minimum wage protections. Despite longstanding criticism, these forms of discriminating and segregated work arrangements, which are regulated differently across the subnational level, continue to expand.
Focusing on key gatekeepers such as state actors, social service providers and Disabled People's Organisations, the contribution analyses how these institutions influence labour market access, recognition of work and normative understandings of ability. It asks whether the more recent diversity and inclusion strategies in sheltered employment arrangements genuinely transform the system or merely reproduce exclusion.
Drawing on a case study and informed by welfare regime typologies, Austrian federalism and policy legacies, the paper explores how performance-centred norms shape employment policy while overlooking the diverse realities and needs of disabled people. While sheltered employment could, in theory, provide a low-threshold route to participation, this potential is undermined by precarious conditions, limited transition prospects and unfair perceived forms of remuneration.
Despite recent efforts, structural inertia and fragmented governance arrangements have so far hindered reforms aimed at greater inclusion in the working world. The contribution concludes that, without systemic change - particularly with regard to the design of cash transfers, qualification pathways, and employment rights - Austria’s sheltered employment measures risk reinforcing ableist structures rather than dismantling them.
This study explored how participatory multiple research approaches can support young people with intellectual and developmental disabilities (IDD) during the transition from school to adulthood. Using seven case studies over 14 months, researchers combined site visits, interviews, observations, and creative workshops involving drama, art, music, and podcasts. Analysis of workshop materials and documentation showed that arts-based methods provided richer and more positive insights into participants’ skills, growth, and experiences than traditional methods, while also supporting development for those involved. The findings highlight the value of multidisciplinary approaches, including arts-based, in capturing the voices of young people with IDD during transition.
Fragestellung
Mit der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) haben sich die Vertragsstaaten verpflichtet, Menschen mit Behinderungen einen diskriminierungsfreien Zugang zu Bildung und Arbeit zu gewährleisten. Das in Artikel 27 verankerte Recht auf Arbeit ist dabei untrennbar mit dem Recht auf inklusive Bildung und lebenslanges Lernen gemäß Artikel 24 verbunden.
Die Umsetzung dieser Rechte konkretisiert sich insbesondere an Übergängen im Bildungsverlauf, da hier unterschiedliche Bildungs-, Unterstützungssysteme und Arbeitsmarktlogiken ineinandergreifen und Entscheidungen über weitere Bildungs- und Erwerbswege getroffen werden. Der Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf stellt für junge Menschen mit Behinderungen somit eine zentrale Phase dar, in der sich Teilhabeansprüche institutionell, strukturell und individuell ausgestalten.
Die Forschung zur Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen in Ausbildung und Arbeit befasst sich vor diesem Hintergrund mit der Frage, wie ein gleichberechtigter Zugang zu beruflicher Bildung und Erwerbsarbeit gestaltet werden kann. Obwohl die Ersteingliederung einen entscheidenden Lebensabschnitt markiert, fehlt bislang eine systematische, interdisziplinäre und strukturell verankerte Forschungslandschaft, die individuelle Potenziale, institutionelle Übergangsprozesse sowie arbeitsweltliche Rahmenbedingungen gleichermaßen berücksichtigt.
Vor diesem Hintergrund wird im Juni 2026 ein Scoping Workshop mit zehn Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis durchgeführt. Ziel ist es, zentrale Forschungsbedarfe zur Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen in Ausbildung und Arbeit zu identifizieren und Perspektiven für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Forschungsfeldes zu entwickeln.
Inhaltliche & methodische Gestaltung
Die Forschungswerkstatt zielt auf eine mehrperspektivische Auseinandersetzung mit der Forschung zur Teilhabe junger Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Arbeit. Auf der Grundlage erster Ergebnisse aus dem Scoping Workshop wird gemeinsam mit jungen Menschen mit Behinderungen, Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen aus der Praxis diskutiert, wie eine zukunftsfähige Forschungslandschaft gestaltet sein muss, um Übergangsprozesse evidenzbasiert und inklusiv weiterzuentwickeln.
Ausgehend von Impulsreferaten zu den Ergebnissen des Scoping Workshops werden folgende Leitfragen diskutiert:
- Wie können unterschiedliche Perspektiven und Systemlogiken aus Schule, Ausbildung und Arbeitswelt in der Forschung zu Übergängen systematisch zusammengeführt werden?
- Welche Bedeutung haben institutionelle Kategorisierungen, digitale (Un-)Zugänglichkeiten und gesellschaftliche Transformationsprozesse für Teilhabechancen in Übergangsprozessen?
- Welche Forschungsbedarfe ergeben sich für eine zukunftsfähige, interdisziplinäre und partizipative Weiterentwicklung des Forschungsfeldes?
Ergebnissicherung
Die Ergebnisse der Veranstaltung werden dokumentiert und in Publikationen zum Scoping Workshop aufgearbeitet.
Ausgangslage
Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung sind besonders gefährdet, Gewalt zu erfahren (u.a. Fang et al. 2022; Verlinden 2018). Die besondere Vulnerabilität ergibt sich dabei aus der Lebenslage dieser Kinder und Jugendlichen (DV 2024). Strukturen und Angebote eines inklusiven Kinderschutzes müssen insofern auf den Sozialraum der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet und auf lokaler Ebene angesiedelt sein. Ganztägige Bildungseinrichtungen stellen hier eine zentrale Nahtstelle für inklusiven Kinderschutz und die Etablierung lokaler Netzwerkstrukturen dar.
Im Forschungs- und Entwicklungsprojekt NinKa („Netzwerke für den inklusiven Kinderschutz gestalten“, 2025-2028) wird die Entwicklung lokaler Netzwerkstrukturen unter Einbezug ganztägiger Bildungseinrichtungen modellhaft in einer ländlichen Region in NRW erprobt.
Fragestellung
Das Projekt fragt – ausgehend von einer Analyse bestehender Netzwerkstrukturen und Lücken in der Modellregion – danach, wie Kooperationen und Strukturen lokaler Akteure im inklusiven Kinderschutz, insbesondere der Kinder- und Jugend- bzw. der Eingliederungshilfe, unter Einbezug ganztägiger Bildungseinrichtungen weiterentwickelt werden können.
Methode
Zur Bestandsaufnahme bestehender Strukturen werden relevante Akteure mittels eines qualitativen Fragebogens (vgl. Fuhse 2018) und in Expert_innengesprächen (vgl. Bogner et al. 2014) befragt sowie Netzwerkanalysen (vgl. Schubert 2008; Schönhuth 2013) durchgeführt.
Zur Auswertung von Netzwerktreffen werden vertiefende Interviews (Przyborski/Wohlrab-Sahr 2014) mit beteiligten Akteuren geführt. Zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung an einem Netzwerktreffen werden partizipative, kindgerechte Beteiligungs- und Befragungsformate (Nentwig-Gesemann 2013; Hauser 2018) genutzt.
Ergebnisse
In der Präsentation werden Ergebnisse der Bestandsanalyse und der Netzwerktreffen vorgestellt.
Diskussion
Es wird diskutiert, welche Chancen und Herausforderungen sich für die Entwicklung von Netzwerkstrukturen auf lokaler Ebene zeigen.
Fragestellung
Kinder mit Behinderung sind als Zielgruppe des kommunalen Kinderschutzes bisher deutlich unterrepräsentiert, obwohl das Risiko, von Gewalt betroffen zu sein, deutlich erhöht ist. Im Zuge der inklusiven Ausrichtung des SGB VIII und der Einführung der Verfahrenslots:innen in der kommunalen Jugendhilfe sind Jugendämter aufgefordert, junge Menschen mit Behinderung deutlicher als Zielgruppe wahrzunehmen. Daraus ergibt sich die Frage nach Gelingensfaktoren und Hindernissen für eine inklusive Kinderschutzpraxis.
Methode
Nach einer Analyse des internationalen Forschungsstandes wurde exploriert, wie sich die bisherige Praxis des inklusiven Kinderschutzes in verschiedenen Organisationen darstellt. Zum einen wurden Fokusgruppeninterviews mit Netzwerkkoordinatorinnen in Kommunen durchgeführt. Zum anderen wurde in Wohngruppen der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe die dort gelebte Praxis des Schutzes von Kindern mit Behinderung in scenariobasierten Workshops nachgezeichnet.
Ergebnisse
Die Ergebnisse der beiden methodischen Zugänge wurden triangulierend verdichtet. Die jeweiligen Organisationskulturen sowie die professionelle Haltung der Akteur:innen in den Hilfesystemen erwiesen sich als wichtige Einflussfaktoren für einen wirksamen Kinderschutz für Kinder mit Behinderung. Relevant sind u.a. Logiken von Zuständigkeit/ Nicht-Zuständigkeit und institutionelle Abwehrmechanismen, die das professionelle Handeln prägen.
Diskussion
Eine konsequent inklusive Praxis des Kinderschutzes als zentrale kommunale Aufgabe ist nicht per Gesetz umsetzbar. Vielmehr sind umfassende Qualifizierungs- und Bewusstseinsprozesse notwendig, damit Inklusion in diesem sensiblen Bereich gelingen kann.
Trotz der rechtlichen Verankerung gleichberechtigter Teilhabe ist ihre Umsetzung im Alltag weiterhin von unterschiedlichen Bedingungen geprägt. Der Beitrag nimmt die Teilhabe an Freizeit- und kulturellen Aktivitäten als exemplarischen Bereich kommunaler Teilhabe in den Blick und untersucht, welche Aktivitäten Erwachsene gerne häufiger ausüben würden und aus welchen Gründen diese Wünsche nicht realisiert werden.
Empirische Grundlage ist die quantitative Studie ZuSichT (Stöcker & Korneli, 2024), in der zwischen 2023 und 2024 937 Erwachsene ab 18 Jahren vorrangig aus Nordrhein-Westfalen befragt wurden. Die Erhebung richtete sich an Menschen mit und ohne Beeinträchtigungs- bzw. Behinderungserfahrungen und nutzte unterschiedliche Zugangswege und Modi. Zudem wurde durch Einfache Sprache, Tonaufnahmen, Visualisierungen mit Symbolen und Emojis sowie Videos in Deutscher Gebärdensprache eine barrierearme Umsetzung angestrebt. Ein Beirat aus Menschen mit unterschiedlichen Behinderungserfahrungen begleitete das Projekt. Die Instrumente zur Freizeitteilhabe wurden auf Basis der Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2022) für die Studie angepasst.
Die Ergebnisse zeigen – wenig überraschend, aber empirisch deutlich –, dass sich die Hinderungsgründe für die Teilhabe an Freizeit- und kulturellen Aktivitäten zwischen den Gruppen systematisch unterscheiden. Während Personen ohne Beeinträchtigungen eingeschränkte Zeitressourcen als zentralen Hinderungsgrund angeben, nennen Personen mit Beeinträchtigungen deutlich häufiger strukturelle und soziale Barrieren. Dazu zählen eingeschränkte Mobilität, fehlende Assistenz oder Unterstützung, Kosten, Barrieren am Zielort sowie die Sorge, sich in entsprechenden Kontexten nicht wohl oder willkommen zu fühlen. Die offenen Antworten verweisen ergänzend auf antizipierte Diskriminierung und begrenzte barrierefreie Angebote vor Ort.
Der Beitrag diskutiert diese Befunde vor dem Hintergrund des UN-BRK-Rechtsrahmens und der Rolle der kommunalen Ebene bei der Gestaltung inklusiver Freizeit- und Kulturangebote.
Literatur:
Bundesministerium für Arbeit und Soziales. (2022, Mai). Abschlussbericht Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (Forschungsbericht, Nummer 598). infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH.
Stöcker, A., & Korneli, K. (2024). Forschungsprojektvorstellung „Perspektiven von Menschen mit Behinderungen auf gesellschaftliche Positionen und Zusammenhalt“. Wissen schafft Demokratie, Schwerpunkt Behindernde Gesellschaften, 15, 86–87.
Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) fordert eine gleichberechtigte Teilhabe in allen
Lebensbereichen. Auch 20 Jahre nach Inkrafttreten sind Menschen mit Behinderungen (MmB)
beim Sport benachteiligt. Das gilt besonders in Einrichtungen der Eingliederungshilfe (EEH). Eine
bundesweite Umfrage von 2023 ging daher den Fragen nach: Wie sieht die Teilhabe am Sport von
MmB aus? Welche förderlichen und hinderlichen Faktoren liegen vor? Die Befragung liefert
erstmals belastbare Daten.
METHODE
Es wurden, teils partizipativ, barrierearme Fragebögen für erwachsene MmB entwickelt, wie
auch für Fachkräfte (FK) und Leitungskräfte (LK) in EEH. Die Daten wurden deskriptiv und
inferenzstatistisch ausgewertet, um Gruppenunterschiede und Zusammenhänge zu
untersuchen.
ERGEBNISSE
Es nahmen 1.185 MmB, 503 FK und 395 LK aus EEH an der Umfrage teil. Die Daten zeigen: 62,5%
der MmB sind körperlich aktiv. 75% von ihnen würden gerne mehr Sport treiben. Meist
organisieren sie ihre Aktivitäten selbst. Hauptmotive für Sport sind Gesundheit, Spaß und
Stressabbau. Hindernisse sind u.a. der Gesundheitszustand, Zeitmangel und fehlende Angebote
vor Ort. Die Befragung der FK und LK zeigt: Sportangebote in EEH werden oft als unzureichend
eingeschätzt (43 %). Gründe sind u.a. die hohe Arbeitslast, unklare Zuständigkeit und geringe
Priorität. Eine Sport-Qualifikation der FK führt zu signifikant mehr Angeboten.
DISKUSSION
Die Ergebnisse zeigen die Herausforderungen bei der Umsetzung der UN-BRK auf lokaler Ebene.
Viele MmB finden im organisierten Sport keine passenden Teilhabemöglichkeiten. Sportanbieter
benötigen Unterstützung, um inklusive und bedarfsgerechte Angebote zu schaJen. In den EEH
müssen strukturelle Faktoren verbessert werden. Die Qualifikation und das Interesse der FK an
Sport muss stärker als Einflussfaktor für die Umsetzung von Sportangeboten berücksichtigt
werden.
Wir entwickeln derzeit neue Fragebögen, die neben den Fragen zur Teilhabe auch
Beteiligungsmöglichkeiten im Sport thematisieren, sowie Faktoren für die Verstetigung von
Sportangeboten in EEH. Vom aktuellen Stand wird beim Teilhabekongress berichtet werden.
Fragestellung: Menschen mit Behinderungen (MmB) sind stärker von den negativen Auswirkungen des Klimawandels bedroht. Bspw. erleben MmB häufiger negative Gesundheitsfolgen durch Hitze und können sich aufgrund vielfältiger Barrieren schlechter vor Hitze schützen. Obwohl u.a die UN-Behindertenrechtskonvention die Berücksichtigung der Belange von MmB vorgibt, werden sie bei Klima- und Hitzeschutzmaßnahmen kaum berücksichtigt oder beteiligt (1, 2).
Ziel dieses Projektes ist es, zu untersuchen, wie die Bedarfe von MmB bei Hitze aus Sicht von Interessensvertretungen besser adressiert werden können.
Methode: Es wurde eine qualitative Studie mit leitfadengestützten Expertinneninterviews durchgeführt. Dazu wurden Einrichtungen der Eingliederungshilfe aus dem Raum Augsburg und Interessensverbände von MmB aus Bayern befragt. Die Auswertung erfolgte mittels Thematischer Analyse nach Braun & Clarke.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 12 Interviews geführt. Die Datenauswertung läuft noch; wird aber bis zur Tagung abgeschlossen sein. Vorläufige Ergebnisse liegen bereits vor: Die erhöhte Vulnerabilität von MmB bei Hitze entsteht u.a. durch Teilhabeeinschränkungen. Adäquater Hitzeschutz bedeutet für MmB Teilhabe an öffentlichem Leben. Daher sollte lt. der Expertinnen bei Maßnahmen zum Hitzeschutz insbesondere auf die Entwicklung eines barrierefreien öffentlichen Raums geachtet werden. Um ihre Bedarfe bei Hitze angemessen zu berücksichtigen, wird die Beteiligung von MmB bei der Entwicklung und Umsetzung von Hitzesc utzmaßnahmen gefordert.
Hierfür ist politische Initiative gefragt.
Diskussion: Hitzeschutz für MmB ermöglicht auch während Hitzeperioden die Teilhabe an öffentlichem Leben. Hierfür benötigt es Beteiligung, politische Initiative und Ressourcenbereitstellung.
(1) Jodoin SKL, Bowie-Edwards A, Leblanc L, Gupta N & Rourke C. Disability Rights in National Climate Policies: Status Report. 2022.
(2) Hannemann L; Janson D; Grewe HA; Blättner B; Mücke HG (2024): Heat in German cities: a study on existing and planned measures to protect human health. In: J Public Health (Berl.) 32 (9), S. 1733–1742. DOI: 10.1007/s10389-023-01932-2.
Die Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e.V., Bremen, will in einer Forschungswerkstatt an Beispielen aus der Forschungspraxis diskutierten, welche methodischen Konsequenzen es hat, Forschungsprojekten in verschiedenen Handlungsfeldern das Konzept der Teilhabe (Bartelheimer et al. 2022) zugrunde zu legen.
Jugendhilfe: CLS-Studie – CareLeaverStatistics
CLS (DJI, Uni Hildesheim, IGFH, GISS) untersucht als Langzeitpanelstudie die Teilhabe von jungen Erwachsenen, die in der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland aufgewachsen sind oder eine Zeit dort gelebt haben. Über sieben Jahre gelten Befragungen u.a. den Teilhabedimensionen Bildung, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Mitbestimmung und Soziale Beziehungen. Care Leaver*innen sind über Workshops und andere Formate in die Studie eingebunden.
Eingliederungshilfe: Evaluation des Modellprojekts „WG Zuhause“
Die GPS Wilhelmshaven will bei den Mieter*innen einer WG für junge Erwachsene mit geistiger Behinderung und massiven Verhaltensstörungen untersuchen, wie eine neue (ambulante) Versorgungsform auf Teilhabe wirkt: Welchen Einfluss haben konzeptionelle Besonderheiten wie ein mitbestimmungsorientierter Assistenzansatz auf individuelle Teilhabenchancen und -ergebnisse? Lassen sich im Setting der WG die Ziele der Eingliederungshilfe leichter oder auf anderem Weg erreichen als innerhalb einer betreuten Wohnform? Als Co-Forschende ist die Leitung der Einrichtung einbezogen. Da die Bewohner*innen sich kaum verbal ausdrücken können, werden Instrumente der Teilhabemessung gemeinsam mit Fachkräften entwickelt.
Wohnungslosenhilfe: Studie Digitale Teilhabe von Menschen in Wohnungsnotlagen
Die Studie (2026) fragte nach digitaler Teilhabe und digitaler Exklusion bei Menschen, die in NRW Wohnungsnotfallhilfen bei Trägern der freien Wohlfahrtspflege nutzen. Über 1.000 Menschen in Wohnungsnotlagen wurden digital befragt. Die Expertise entstand trialogisch in Zusammenarbeit von Wissenschaft, Expert*innen aus den Wohnungsnotfallhilfen und Menschen in Wohnungsnotlagen. Nutzer*innen der Angebote wirkten an der Instrumentenentwicklung mit und bewerteten in Interpretationsgruppen die Ergebnisse.
Wohnungslosenhilfe: Evaluation „Notübernachtungsstellen für Jungerwachsene (NÜST)“
Für die Stadt Hamburg evaluiert die GISS Notübernachtungsstellen für junge wohnungslose Erwachsene mit physischen und psychischen Beeinträchtigungen. In teilhabeorientierten Fallbesprechungen untersuchen Forscher*innen, Nutzer*innen und Fachkräfte, welche Strukturen Teilhabe fördern oder behindern, und welche Hemmnisse junge Menschen an der Nutzung des Regelsystems hindern Der Ansatz macht Wechselwirkungen zwischen individuellen Entscheidungen und strukturellen Bedingungen im Hilfesystem sichtbar.
Bartelheimer, P., Behrisch, B., Daßler, H., Dobslaw, G., Henke, J., & Schäfers, M. (2022) Teilhabe – Versuch einer Begriffsbestimmung. In G. Wansing, M. Schäfers & S. Köbsell (Hrsg.), Teilhabeforschung – Konturen eines neuen Forschungsfeldes. Beiträge zur Teilhabeforschung. Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-38305-3_2
Fragestellung: Eine Teilhabe an der heutigen digitalisierten Gesellschaft ohne einen Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) scheint nahezu unmöglich. Für Menschen mit Behinderungen ist dieser Zugang in vielen Fällen nur mit zusätzlichen digitalen Assistiven Produkten (AP) möglich. Dies gilt auch für den Personenkreis der Menschen mit einer Taubblindheit/ Hörsehbehinderung. Im Rahmen des Dissertationsvorhabens „Taubblindheit, Technik und Teilhabe“ stellen sich folgende Fragen: Wie gestaltet sich der Zugang zu und die Nutzung von digitalen AP und IKT für Erwachsene mit erworbener Taubblindheit und Hörsehbehinderung? Als wer, in welcher Hinsicht und in welchem Rahmen haben diese Personen durch technische Hilfsmittel an was teil?
Methode: Es wurde eine qualitative Interviewstudie mit 13 Erwachsenen mit einer erworbenen Taubblindheit/ Hörsehbehinderung (MAlter: 57; 27-73 Jahre) durchgeführt. Die Interviews fanden zwischen Juni 2023 und Januar 2025 in Präsenz (n= 11) und über Zoom (n= 2) statt. Nach jedem Interview wurde ein kurzer sozio-demographischer Fragebogen ausgefüllt.
Ergebnisse: Die Analyse erfolgt nach der inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse. Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Erfahrungen mit dem Zugang zu und der Nutzung von digitalen AP und IKT vielschichtig und nicht nur positiv sind. Alle Teilnehmenden beschrieben die genutzten Geräte als wichtige Ressourcen für verschiedene Lebensbereiche und Aktivitäten, darunter informelle Bildung, Freizeit und Arbeit. Allerdings berichtete ein Großteil von Barrieren, wenn es um die Finanzierung oder das Erlernen der Nutzung der Geräte geht. Darüber hinaus wurde von vielen Teilnehmenden die Bedeutung taktiler und/oder analoger Informationsformen hervorgehoben.
Diskussion: Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass digitale AP und IKT für die Teilnehmenden wichtig sind, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Einerseits erleben sie ein Gefühl der Selbstbestimmung durch die Nutzung der Geräte. Andererseits entstehen (neue) Abhängigkeiten beim Zugang zu den Geräten und Technologien. Dies gilt sowohl in Bezug auf bürokratische Verfahren als auch bei der Handhabung der Geräte ohne entsprechende Einweisung.
Fragestellung: Sozialarbeiter*innen sind zentrale Akteur*innen bei der Umsetzung der UN-BRK auf lokaler Ebene, sind jedoch selbst häufig von prekären Arbeitsbedingungen, Behinderung und Neurodivergenz betroffen. Untersucht wird, wie digitale Transformationsprozesse in kommunalen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit Teilhabechancen und -barrieren für Fachkräfte erzeugen und wie diese Prozesse gesundheitsförderlich und inklusiv gestaltet werden können.
Methode: Vorgestellt werden Ergebnisse einer sequenziell-explanativen Mixed-Methods-Studie. In 48 ero-epischen Gesprächen mit Fach- und Leitungskräften wurden subjektive Belastungs- und Entlastungserfahrungen, digitale Erreichbarkeit, Technostress und Erfahrungen professioneller Einsamkeit erhoben. Darauf aufbauend wurde ein standardisierter Online-Fragebogen entwickelt, der Belastung, Resilienz, digitale Selbstwirksamkeit, organisationale Unterstützung und Teilhabeindikatoren erfasst.
Ergebnisse: Die Analysen zeigen ein Spannungsfeld aus Entlastung (z.B. barrierearme Kommunikation, flexible Arbeitszeitmodelle, Assistenztechnologien) und neuen Exklusionsrisiken (z.B. digitale Entgrenzung, unzugängliche Softwaresysteme, Ausschluss neurodivergenter Fachkräfte durch hohe Reiz- und Taktungsdichte). Teilhabechancen hängen von organisationalen Aushandlungen und Mitbestimmung ab.
Diskussion: Im Lichte der UN-BRK werden Implikationen für die Gestaltung inklusiver Digitalisierung in Kommunen diskutiert. Vorgestellt werden Empfehlungen für Träger und Kommunalpolitik (u.a. partizipative Technikgestaltung, barrierefreie IT-Infrastrukturen, Schutz vor digitaler Entgrenzung), die berufliche Teilhabe von Fachkräften stärken und damit auch die Teilhabechancen von Adressat*innen verbessern.
Kurzbiographie
Nadine van der Meulen ist Promotionsforscherin im Bereich Soziale Arbeit und Digitalisierung an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (Bayern) und Stipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit (DBSH) in Nordrhein-Westfalen sowie der Europa-Union im Kreisverband Aachen, Mitglied der Bezirksvertretung Haaren der Stadt Aachen und Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Selbstbestimmte Behindertenpolitik in NRW.
Als autistische Wissenschaftlerin, Sozialarbeiterin und Aktivistin engagiert sie sich seit vielen Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderungen und neurodivergenten Personen. In diesem Kontext macht sie regelmäßig auf Diskriminierung und strukturelle Barrieren aufmerksam, die insbesondere autistische Menschen betreffen.
Mit einem offiziell anerkannten Grad der Schwerbehinderung hat sie selbst vielfältige Erfahrungen mit Diskriminierung, Feindseligkeit und Ausschlüssen gemacht – sowohl im kommunalpolitischen Kontext als auch in der Sozialen Arbeit und im akademischen Umfeld. Dazu gehören verbale Angriffe, das Absprechen von Unterstützungsbedarfen sowie die systematische Ignorierung notwendiger Barrierefreiheitsmaßnahmen, etwa bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder im beruflichen Alltag. Immer wieder wurde ihr Autismus als psychische Erkrankung bezeichnet. Autismus ist keine psychische Erkrankung, sondern eine neurologische Form menschlicher Vielfalt.
Ihre Erfahrungen stehen exemplarisch für eine wachsende strukturelle Problematik: Während diskriminierende Haltungen zunehmen, werden bundesweit zentrale Unterstützungsangebote für behinderte und chronisch kranke Menschen abgebaut – darunter Zedisplus, IDis und Kombabb. Dadurch verschwinden essenzielle Ressourcen für Beratung und Unterstützung. Die Autorin selbst hat bundesweit über 600 Stellen kontaktiert, ohne in ihren konkreten Fällen Hilfe zu erhalten.
Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen inklusive digitale Transformation, Ethik und Neurodiversität
Der Einsatz digitaler Technologien und insbesondere Künstlicher Intelligenz (KI) verändert Arbeitsprozesse und Qualifikationsanforderungen grundlegend. Damit verbunden sind Risiken einer „digitalen Kluft“ (Niesyto, 2009) zwischen Erwerbstätigen mit und ohne Behinderung (Wieschowski, 2021), etwa durch den Wandel von Routinearbeit und steigende Arbeitsanforderungen (Dengler & Matthes, 2021; Engels, 2016; Weller, 2017).
Dieser Beitrag nutzt repräsentative Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 20241, um Unterschiede in der Nutzung technischer Arbeitsmittel – einschließlich digitaler Assistenzsysteme und KI-naher Anwendungen – zwischen Erwerbstätigen mit und ohne amtlich anerkannte Behinderung zu analysieren. Darüber hinaus wird untersucht, wie die Techniknutzung mit Branchenzugehörigkeit sowie Tätigkeits- und Anforderungsmerkmalen zusammenhängt. Grundlage sind strukturierte Telefoninterviews mit rund 20.000 Erwerbstätigen in Deutschland.
Die Regressionsanalysen zeigen erstens, dass Erwerbstätige mit Behinderung digitale Arbeitsmittel am Arbeitsplatz seltener nutzen als Erwerbstätige ohne Behinderung. Zweitens lassen sich diese Unterschiede teilweise durch Branchenzugehörigkeit sowie berufliche Stellung bzw. Tätigkeit erklären. Drittens variiert der Zusammenhang nach Aufgabenprofil: Insbesondere in Tätigkeiten mit hohem Routineanteil fällt die Techniknutzung bei Erwerbstätigen mit Behinderung geringer aus.
Der Beitrag liefert damit empirische Evidenz zur Frage, ob KI und Digitalisierung Teilhabechancen am Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen erhöhen oder ob sich bestehende Ungleichheiten in Form einer neuen digitalen Spaltung fortschreiben.
Literatur
Engels, D. 2016: Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Köln: Bundesministerium für Arbeit und Soziales; ISG-Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH.
Dengler, K. & Matthes, B. 2021: Folgen des technologischen Wandels für den Arbeitsmarkt: Auch komplexere Tätigkeiten könnten zunehmend automatisiert werden. Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit.
Niesyto, H. 2009: Digitale Medien, soziale Benachteiligung und soziale Distinktion. Medien Pädagogik Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, (17), 23-19.
Wieschowski, S. 2021: Digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen? Gesundheits- und Sozialpolitik (G&S), 75(4-5), 78–83.
Weller, S. 2017: Tätigkeiten Erwerbstätiger mit Behinderung. W. Bertelsmann Verlag.
Unerwünschte Personalfluktuation stellt in professionellen Unterstützungssettings für Menschen mit Beeinträchtigung und herausforderndem Verhalten ein fortgesetztes Problem dar, das durch den zunehmenden Fachkräftemangel weiter verstärkt wird. Wiederkehrend findet sich das Narrativ, die Klientinnen seien „zu schwierig“, um Mitarbeitende langfristig zu halten. Zudem wird Personalknappheit als Argument genutzt, um eine unabhängige Lebensführung gemäß Art. 19 UN-BRK sowie Wunsch- und Wahlrechte in Einrichtungen nicht zu gewährleisten. Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung personeller Kontinuität für die Beziehungsgestaltung, die Fachkonzepte und die sozialräumliche Vernetzung untersucht der Beitrag, unter welchen Bedingungen es zu Arbeitsplatzwechseln von Fachkräften kommt, wie diese langfristig in den Einrichtungen verbleiben können und wie sich unerwünschte Fluktuation begrenzen lässt. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, wie Klientinnen Personalwechsel erleben und in entsprechende Entscheidungen eingebunden werden. Grundlage ist eine qualitativ angelegte, multiperspektivische Studie in drei Einrichtungen der wohnbezogenen Eingliederungshilfe mit leitfadengestützten Interviews mit Klientinnen, Mitarbeitenden und Leitungskräften. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Personalfluktuation nicht in erster Linie durch die sogenannten „schwierigen“ Klientinnen, sondern vor allem durch organisationale Faktoren bedingt ist. Die Beziehungen zu den Klientinnen sind für die Mitarbeitenden hingegen ein Grund, zu bleiben. Die Klientinnen berichten, kaum Einfluss auf personelle Entscheidungen zu haben. Stattdessen gewöhnen sie sich an die Mitarbeiterwechsel und resignieren. Die Interviewergebnisse legen nahe, dass verbesserte Arbeitsbedingungen, die Qualifizierung der Fachkräfte sowie ein wohn- bzw. einrichtungsnahes Recruiting die Fluktuation senken und die Chancen auf gleichberechtigte Teilhabe erhöhen würden.
Mit dem Beitrag soll der Blick auf Strukturen gelenkt werden, die für ein personen- sozialraum- und teilhabeorientiertes Wohnen für Menschen mit komplexer Behinderung und herausforderndem Verhalten notwendig sind. Damit sind Menschen gemeint, die erhebliche kognitive und zusätzliche andere Einschränkungen haben, insbesondere in Bezug auf die Kommunikation, das emotionale Erleben und das Verhalten. Einige von ihnen haben außerdem einen hohen pflegerischen Unterstützungsbedarf.
Um den Zielen der UN-BRK zu genügen, müssen sie selbstbestimmt leben können, Möglichkeiten der Mitwirkung und Mitbestimmung haben und bei der Teilhabe unterstützt werden. Daraus ergeben sich Anforderungen an die die Qualifikation der Mitarbeitenden, die Lage der Wohnung und die Verbindungen zum Sozialraum. Es muss aber auch der Pflegebedarf und ggf. Nachtwachen bzw. eine Nachtbereitschaft gesichert sein. Niedrigschwellige Beratungs- und Coachingangebote, ergänzt durch externe Kontrollen unterstützen die fachliche Qualität. Schließlich sind Menschen mit komplexer Behinderung und herausforderndem Verhalten besonders vulnerabel.
Die beschriebenen Qualitätsmerkmale sind notwendig und eine Operationalisierung des Anspruchs der UN-BRK auf selbstbestimmtes Wohnen und Teilhabe. Bisher haben positive Beispiele den Charakter von Leuchttürmen.
In dem konzeptionellen Beitrag soll auf der Grundlage von Beobachtungen, Dokumentenanalysen und Interviews dargelegt werden, welche Bedeutung die beschriebenen Strukturen dafür haben, dass mehr Menschen mit komplexer Behinderung und herausforderndem Verhalten personenzentriert und sozialraum- und teilhabeorientiert wohnen können. Außerdem soll der Frage nachgegangen werden, wo bestehende Strukturen erweitert werden können und wo neue Strukturen geschaffen werden müssen.
Der Beitrag untersucht die Bedeutung kommunaler Planung als Ermöglichungsbedingung von Deinstitutionalisierung im Bereich wohnbezogener Dienste für Menschen mit Behinderungen. Ausgangspunkt ist eine international vergleichende Einzelfallstudie zur Transformation entsprechender Dienste im kanadischen Ontario.
Als Einzelfallanalyse mit „komparativem Verdienst“ wird untersucht, welche weiterführenden Erkenntnisse für gelingenden Deinstitutionalisierung aus dem Beispiel Ontarios gezogen werden können. Bezugsrahmen ist eine neo-institutionalistisch fundierte Theorie, die institutionellen Wandel als durch politischen, funktionalen und sozialen Druck veranlasst versteht. Wechselwirkungen institutioneller Strukturen, Handelns und regulativer, normativer und kulturell-kognitiver Elemente werden betrachtet.
Der Abbau großer „Institutionen“ in Ontario ging mit einer Verlagerung von Verantwortung auf die kommunale Ebene einher. – als politisch durchgesetzte Neuordnung. Diese erzeugte Handlungsspielräume: kleinteiligere, sozialräumlich verortete Unterstützungsarrangements, mehr Individualisierung – etwa durch individuelle Budgets und Vernetzung – sowie eine geringere institutionelle Verfestigung. Gleichzeitig werden Spannungsfelder sichtbar: begrenzte kommunale Kapazitäten, Konzentration hoher Bedarfe, Sparzwänge mit dem Risiko rückwärtiger Entwicklungen, fehlende komplementäre Dienste. Der Beitrag diskutiert den Fall Ontario als empirisches Beispiel für das vom UN Ausschuss 2022 bekräftigte Erfordernis der Deinstitutionalisierung sowie für die Bedeutung kommunaler Planung darin. Er zeigt, dass Kommunalisierung nicht per se zu inklusiven Arrangements führt, aber zentrale strukturelle Voraussetzungen schafft, unter denen Deinstitutionalisierung praktisch wirksam werden kann – und zugleich neue Steuerungs- und Teilhabefragen aufwirft.
Teilhabe stellt ein wesentliches Ziel im Feld der Autismus-Therapie dar. Der Bundesverband autismus Deutschland e.V. hebt dies in seinen Leitlinien (2017) und Positionspapieren explizit hervor. Theoretische Diskurse dazu sind im Feld selbst jedoch wenig ausgeprägt. Aufzufinden sind nicht näher differenzierte Postulate einer teilhabeorientierten Haltung (Rittmann, 2020, S. 128) oder Ausrichtung von Maßnahmen (Fachgruppe Therapie, 2022, S. 36), ohne darauf einzugehen, wie deren Angemessenheit beurteilt werden kann (Dederich 2018). Dabei üben Begriffe Einfluss darauf aus, woran pädagogisch-therapeutisches Handeln ansetzt und welche Verhältnisse stabilisiert oder abgebaut werden (Krais & Gebauer 2017, S. 17).
Auf Basis der Dissertationsstudie „Das Ringen um Teilhabe – Autismus-Therapie im Spiegel rekonstruktiver Sozialforschung“ (Tierbach i.E.) werden Teilhabelogiken aus dem bislang wenig berücksichtigten Feld der Autismus-Therapie rekonstruiert. Das Feld ist multiprofessionell ausgerichtet, vereint Professionen der Psychologie sowie der Heil-, Sonder- und Sozialpädagogik und ist als Leistung der Eingliederungshilfe sozialrechtlich verankert. Inwiefern diese Rahmenbedingungen das Verständnis von Teilhabe im Feld prägen, ist dabei ebenso von Interesse wie die Frage, welche Bedeutungen von Teilhabe in der professionellen Praxis wirksam werden. Hierfür werden narrative Interviews (Rosenthal 2015) mit Fachkräften aus dem Feld herangezogen, deren Handlungsorientierungen mittels Dokumentarischer Methode (Nohl et al. 2015) ausgewertet wurden. Diskutiert wird, inwiefern die rekonstruierten Teilhabelogiken als Ausdruck einer Pädagogisierung und Therapeutisierung (z. B. Willmann 2012, Thon & Mai 2017) von Teilhabe zu verstehen sind und welche Ausgrenzungsverhältnisse dabei unbearbeitet bleiben.
Literatur
autismus Deutschland e.V. (2017). Leitlinien für die Arbeit in Autismus-Therapie-Zentren. Neu bearbeitete Fassung 2017. Stade: Hansa-Druckerei Stelzer.
Dederich, M. (2018). Menschsein und Teilhabe. Eine anthropologische Skizze. In W. Lamers (Hrsg.), Teilhabe von Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung an Alltag, Arbeit, Kultur. Oberhausen: Athena Verlag. S. 153–166.
Fachgruppe Therapie (2022). Die Lage der Autismus-Therapie in Deutschland. autismus. Zeitschrift des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V., (93), S. 36–37.
Krais, B. & Gebauer, G. (2017). Habitus (7. Aufl.). Bielefeld: transcript Verlag.
Nohl, A.-M., von Rosenberg, F. & Thomsen, S. (2015). Bildung und Lernen im biografischen Kontext. Empirische Typisierungen und praxeologische Reflexionen. Wiesbaden: Springer VS.
Rittmann, B. (2020). Kind, Eltern, Umfeld – eine Einordnung der Frühtherapie in ein therapeutisches Gesamtkonzept. In I. Döringer & B. Rittmann (Hrsg.), Autismus: Frühe Diagnose, Beratung und Therapie. Das Praxisbuch. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer. S. 127–134.
Rosenthal, G. (2015). Interpretative Sozialforschung. Eine Einführung (5. Aufl.). Weinheim und München: Juventa Verlag.
Thon, C. & Mai, M. (2017). Inklusion oder Teilhabe nach Plan? Über die Pädagogisierung eines politischen Anliegens im Kontext ‚frühkindlicher Bildung‘. In I. Miethe, A. Tervooren & N. Ricken (Hrsg.), Bildung und Teilhabe. Zwischen Inklusionsforderung und Exklusionsdrohung. Wiesbaden: Springer VS. S. 259–278.
Tierbach, J. (i. E.). Das Ringen um Teilhabe – Autismus-Therapie im Spiegel rekonstruktiver Sozialforschung. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Willmann, M. (2012). De-Psychologisierung und Professionalisierung der Sonderpädagogik. Kritik und Perspektiven einer Pädagogik für „schwierige“ Kinder. München: Ernst Reinhardt Verlag.
Hintergrund/Fragestellung
Einsamkeit gilt derzeit als ein zentrales gesellschaftliches Problem. Das Projekt untersucht die subjektive Erfahrung von Einsamkeit bei Erwachsenen mit einer sogenannten geistigen Behinderung. In einem partizipativen Forschungsansatz werden barrierefreie Erhebungsinstrumente entwickelt und eingesetzt.
Folgende Forschungsfragen sind dabei leitend:
Was verstehen Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung unter Einsamkeit?
Welche Formen von Einsamkeit lassen sich im Alltag dieser Personengruppe feststellen, wie werden diese von verschiedenen Akteursgruppen (Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung selbst, ihre Angehörigen und Fachkräften) beschrieben und bewertet, und welche Bewältigungsstrategien gibt es?
Herangehensweise/Methodik
Phase 1 (Pilotstudie Erfurt): Fokusgruppe zur Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses von Einsamkeit im Leben von Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung (Methode: Photovoice); Fragebogenentwicklung zu Dimensionen der Einsamkeit; leitfadengestützte, problemorientierte Interviews mit Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung selbst, mit Angehörigen und Fachkräften. Phase 2 (Folgeuntersuchung): Wiederholung des oben beschriebenen Verfahrens in größerem Umfang, mit einer größeren Zielgruppe (in Kooperation mit der Bundesvereinigung Lebenshilfe).
Ergebnisse
Obwohl sich die Studie noch in einem frühen Stadium befindet, lässt sich sagen, dass subjektive Auffassungen, Ausprägungen und Bewältigungsstrategien für Einsamkeit im Alltag von Erwachsenen mit sogenannter geistiger Behinderung in einem partizipativen Forschungsprozess sehr differenziert dargestellt werden können.
Diskussion
Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung sind in Diskussionen über Einsamkeit innerhalb der Gruppe der Menschen mit Behinderungen nach wie vor unterrepräsentiert. Ein gemeinsam mit dieser Personengruppe entwickeltes Verständnis von Einsamkeit kann zu einem besseren Verständnis von Diskussionen über Einsamkeit und deren Bewältigung im Kontext sogenannter geistiger Behinderung beitragen.
Beschreibung
Menschen mit Behinderung sind bislang nur begrenzt in regionalen Unterstützungs- und Teilhabestrukturen eingebunden (Alber et al. 2024, 448f). Ihre Beteiligung hängt häufig von Einzelengagements ab. Deutlich wird auch die zentrale, aber bislang wenig vernetzte Rolle der Eingliederungshilfe. Wie Akteurinnen zukünftig mit der Zielsetzung eines guten Sterbens zusammenarbeiten können, wurde in Form von Entwicklungsideen formuliert. Ein im Rahmen des Projekts entwickeltes idealtypisches Modell einer inklusiven CC vereint konkrete Handlungsstrategien mit erforderlichen Rahmenbedingungen, Haltungen und Akteursperspektiven, um den konzeptionell verankerten Anspruch an Inklusivität zu realisieren. Eine zentrale Strategie besteht darin, Akteurinnen sektorenübergreifend zu vernetzen, kommunikative und räumliche Barrieren abzubauen sowie partizipative Strukturen zu etablieren, die Solidarität und Teilhabe in der letzten Lebensphase sichern (Zängl 2023, 4f).
Fragestellung
Eine Teilstudie des Projekts verfolgte die Frage, welche Barrieren und Teilhabemöglichkeiten CC in der Vernetzung relevanter Akteur*innen im Sozialraum bieten, die für die Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen mit Behinderung relevant sind.
Methode
Im Rahmen eines Mixed-Methods-Designs wurden 5 CC kriteriengeleitet ausgewählt und hinsichtlich der Einbindung von Menschen mit Behinderung analysiert. Für jede untersuchte Region entstand eine Netzwerkkarte, die mit Vertreter*innen der jeweiligen CC in einem zweistufigen Verfahren diskutiert wurde.
Ergebnisse
Menschen mit Behinderung sind bislang nur begrenzt in regionalen Unterstützungs- und Teilhabestrukturen eingebunden (Alber et al. 2024, 448f). Ihre Beteiligung hängt häufig von Einzelengagements ab. Deutlich wird auch die zentrale, aber bislang wenig vernetzte Rolle der Eingliederungshilfe. Wie Akteurinnen zukünftig mit der Zielsetzung eines guten Sterbens zusammenarbeiten können, wurde in Form von Entwicklungsideen formuliert. Ein im Rahmen des Projekts entwickeltes idealtypisches Modell einer inklusiven CC vereint konkrete Handlungsstrategien mit erforderlichen Rahmenbedingungen, Haltungen und Akteursperspektiven, um den konzeptionell verankerten Anspruch an Inklusivität zu realisieren. Eine zentrale Strategie besteht darin, Akteurinnen sektorenübergreifend zu vernetzen, kommunikative und räumliche Barrieren abzubauen sowie partizipative Strukturen zu etablieren, die Solidarität und Teilhabe in der letzten Lebensphase sichern (Zängl 2023, 4f).
Literatur
Alber, L., Fellbaum, K., & Jennessen, S. (2024). Teil einer Gemeinschaft sein – als Teil einer Gemeinschaft sterben. Menschen mit Behinderung am Lebensende im Kontext von Caring Communities. In E. Reitinger, K. Heimerl, G. Dressel, & I. Wenger (Hrsg.), Schwer erreichbar? Soziale Teilhabe in allen Lebensbereichen? Ein Blick zurück und nach vorn. Stuttgart: der hospizverlag, S. 439 –457.
Zängl, P (2023). Was ist eine Caring Community? In: Sempach, R., Steinebach, C., Zängl, P. (Hrsg.). Care schafft Community: Community braucht Care. Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 3-23.
[1] Weitere Informationen zum Verbundprojekt finden Sie unter: www.picardi-projekt.de/